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Press Archive 2007

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Fürther Nachrichten, 07.11.2007, CLAUDIA SCHULLER 

 

Immer schön sticheln

Béla Faragós Blick hinter die Kulissen im Stadttheater

«Das Publikum wartet auf Katharina Wagner» hat der Künstler diese Karikatur betitelt, die sich Galerist John Hammond gerade anschaut. Foto: Hans Winckler

Wer derzeit in der Pause durch die rotgoldenen Gänge des Stadttheaters flaniert, bekommt mehr zu hören als den üblichen Smalltalk. Und obendrein wird dem Theaterfreund auch noch ein Spiegel vorgehalten. Béla Faragó wirft mit seinen Bildern einen äußerst kritischen, ironisch-bissigen Blick «hinter die Kulissen», wie seine Ausstellung treffend heißt. Das löst jede Menge Debatten aus.



Kein Wunder, denn jeder kriegt dabei den Spiegel, den er verdient: der Minister, der in seiner Loge einschläft, die Unternehmer, die nur in den Musentempel kommen, um Geschäfte zu machen, die geckenhaften Neureichen, die ihre Designergarderobe spazieren führen, die Bühnenarbeiter, die Bier saufend nackte Schauspielerinnen beglotzen. Faragó hat sie alle mit flottem Bleistift, Kohle und Tusche gezeichnet.

 

Richtig schön böse entlarvt er Schein und Sein. Immer sticheln, keine Lüge durchgehen lassen, lautet seine Devise. Die Figuren grotesk zu überzeichnen und von der Physiognomie auf den Charakter zu schließen, gehört dazu. Das quengelige Kind ist natürlich schwammig-dick. Die Emporkömmlinge, die durch den Theaterbesuch ihre Kulturbeflissenheit demonstrieren, haben runde, kartoffelige Nasen, während die der Mächtigen lang und spitz sind. Den Einfältigen malt er große Falten auf die Stirn.

 

Bitter wirken einzig die Arbeiten, die der Künstler einem Vorfall in Halberstadt gewidmet hat: In der ostdeutschen Provinz schlugen Neonazis Schauspieler krankenhausreif, weil sie die «Rocky Horror Picture Show» aufführten, ein Trash-Musical über Transvestiten und schräge Vögel. Hier geht es nicht mehr wie in den anderen Zeichnungen um unangenehme Spießer, sondern um höchst gefährliche Umtriebe, warnen Faragós Werke.

 

Immerhin gab es den Vorwurf, viele Bürger und sogar Polizeibeamte hätten weggesehen, statt einzugreifen. Faragó zeichnet die Skinheads als früh gealterte, brutale Riesenkinder und die Polizisten mit Schirmmützen vor den Augen als Wegseher, während die Künstler am Boden liegen. Kann die gesellschaftliche Bedeutung von Theater deutlicher sein?